Absturz von Wolke 7: Abhängig von der Cloud

Rund 70 Prozent der Unternehmen nutzen mittlerweile Cloud-Lösungen. Doch was gerne mit günstigen Einstiegspreisen und verlockenden Serviceangeboten beginnt, endet oft in verhängnisvollen Abhängigkeiten

Eines hat Corona mit Sicherheit geschafft: Die Digitalisierung vorangetrieben. Nicht nur Schuldirektoren mussten sich mit der Frage auseinandersetzen, wie Kinder von jetzt auf sofort im Heimunterricht erreicht werden können – und das nicht nur für einen Tag, sondern über mehrere Wochen und Monate – und das immer wieder. Lernstoff muss nicht nur von den Lehrern zu den Schülern gelangen, sondern auch Hausaufgaben wieder zurück. Die Nutzung von Clouds stand ganz oben auf der Liste, Videochats folgten. Datenschutzdiskussionen kamen auf Platz drei.

Doch auch Unternehmen sahen sich mit einem Digital-Turbo konfrontiert. Home-Office-Mitarbeiter müssen ebenso Leistung erbringen wie bisher im Büro, das bedeutete aber, dass sie auch Zugriff auf alle Unterlagen und Vorgänge benötigen. Die Lösung: Cloud-Anbieter.

Das zeigt sich auch in den Zahlen: Microsoft schnitt im vierten Quartal 2020 um 33 Prozent besser als im Vergleichszeitraum 2019 ab. Der Gewinn stieg damit auf 15,5 Milliarden Dollar an. Hauptverantwortlich für den Erfolg war dabei vor allem das Cloud-Geschäft. Microsofts Cloud-Plattform Azure ist mittlerweile durch den konstanten Ausbau zur Nummer zwei auf dem Markt aufgestiegen, hinter AWS von Amazon. So hat sich etwa auch Deutschlands wertvollstes Unternehmen SAP erst kürzlich noch stärker an Azure gebunden. In der Sparte „Intelligente Cloud“ wuchs der Umsatz Microsofts im vierten Quartal 2020 um 23 Prozent, auf 14,6 Prozent. Ein Hauptgrund dafür war das Geschäftsplus von 50 Prozent von Azure.

Insgesamt wurden in diesem Vierteljahr weltweit rund 39,9 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste ausgegeben. Das sind 32 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019. Neben dem Marktführer AWS von Amazon (32 Prozent Marktanteil) und Azure von Microsoft (20 Prozent) gehören dabei auch Google Cloud (7 Prozent) und Alibaba Cloud (sechs Prozent) zu den Global Playern.

Doch auch wenn der Nutzen für Unternehmen nicht wegzudenken ist – die Abhängigkeit von den großen Anbietern wird nur allzu oft unterschätzt. Dabei entwickelt sich diese meist langsam: Immer mehr wird in die Cloud verlagert, mit attraktiven Funktionserweiterungen und anderen Angeboten wird das Unternehmen außerdem immer stärker an den Cloud-Anbieter gebunden. Ist der Kunde irgendwann doch unzufrieden oder möchte aus anderen Gründen das Verhältnis lockern oder beenden, stellt er fest, dass das nicht so einfach ist: Einbußen in der Funktion müssen oft hingenommen werden. Schon vor Jahren stufte die European Network and Information Security Agency ENISA das Risiko einer Provider-Abhängigkeit („Vendor Lock-In“) als hoch ein.

Relativ einfach ist es dabei noch, virtuelle Maschinen von einer Infrastructure-as-a-Service-Umgebung (IaaS) in eine andere zu verschieben. Die Migration bei einer Platform as a Service (PaaS) ist dagegen schon mit erheblichen Anpassungsarbeiten verbunden, da diese Services tief in die Backend-Systeme integriert sind. Und wer von einem SaaS (Software-as-a-Service)-Anbieter zu einem anderen umsteigen möchte, muss meist alle Anpassungen, Filter und Metadaten aufgeben, da – im Gegensatz zu gekaufter Software – hier die Nutzungsmöglichkeit mit der letzten Abozahlung endet.

Doch auch andere Probleme ergeben sich bei der Nutzung großer Cloud-Anbieter, so etwa die Frage des Datenschutzes. Die Zeitschrift Computerwelt schreibt, dass es eigentlich nur zwei Möglichkeiten gebe, um Daten in der Cloud mehr oder weniger wirkungsvoll vor dem Zugriff der US-Behörden zu schützen: Die erste bestehe darin, sie durchgängig zu verschlüsseln und die Schlüssel selbst zu verwalten – wobei die US-Überwachungsbehörden gängige Verschlüsselungsmethoden längst kompromittiert hätten. Die zweite bestehe darin, Daten lokal zu hosten, nur für Berechnungen in die Cloud zu transferieren und dort nur im Arbeitsspeicher vorzuhalten.

Ein anderes Thema ist die Verfügbarkeit der angebotenen Dienste. Alle Cloud-Anbieter werben mit höchster Zuverlässigkeit – und doch kommt es immer wieder zu Ausfällen. So sorgte etwa 2017 ein Tippfehler eines AWS-Technikers für einen mehrere Stunden dauernden Ausfall der Server, der wirtschaftliche Schaden soll sich Presseberichten zufolge allein bei den im S&P-500-Index gelisteten Unternehmen rund 150 Millionen betragen haben. Im August 2019 soll bei einem anderen Server-Ausfall bei AWS kurzzeitig die Kurse für Kryptowährungen eingebrochen sein, sodass Händler Bitcoins für unter einen Dollar statt rund 10 000 Dollar kaufen konnten. Auch Microsoft Azure oder Google Cloud hatten in den vergangenen Jahren schon wiederholt mit Problemen zu kämpfen. Auf den dadurch resultierenden Verlusten bleiben die Kunden dann üblicherweise sitzen – auch, wenn Daten verloren gehen, etwa durch Stromausfälle, entnervte oder überforderte Mitarbeiter.

Worauf sollten Unternehmen also achten, wenn Sie sich für einen Cloud-Anbieter entscheiden? Hier ein paar Tipps:

  • Recherchieren Sie genau, ob der Anbieter das bietet, was Sie brauchen. Entscheiden Sie sich für innovative Unternehmen mit passgenauen Konzepten.
  • Stellen Sie sicher, dass Ihre Daten, die Sie in der Cloud speichern, jederzeit problemlos verschoben werden können.
  • Regelmäßige Backups aller Daten stellen sicher, dass Sie jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln könne, außerdem haben Sie so einen gewissen Schutz vor Schadsoftware
  • Nutzen Sie mehrere Anbieter (Multicloud-Strategie) oder entscheiden Sie sich für eine Hybrid-Cloud: Hier werden einige Daten lokal oder in einer Private Cloud gespeichert.
    So arbeitet etwa die Deutsche Bank laut Presseberichten exklusiv mit Google zusammen. Die Commerzbank hingegen, die seit 2016 in der Cloud Daten speichert, setzt hingegen auf eine hybride Cloud, also auf einen Mix einer Private Cloud und außerdem zwei Partnern: Microsoft und Google.

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